
Gestern Mittag wurde der Neubau der „Werkstattschule in Rostock“ (WiR) in der Pawlowstraße 16 offiziell seiner Bestimmung übergeben. 450 Kinder werden derzeit in der freien „Integrierten Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, Grundschule und Kindergarten“ von mehr als 40 Lehrern unterrichtet; 90 angehende Schüler werden im Kindergarten des Schulträgers betreut. Den Namen gab der Werkstattschule ihr pädagogisches Konzept, in das neben staatlichen Unterrichtsvorgaben Ideen der Reformpädagogen Maria Montessori, Peter Petersen und Célestin Frenet einflossen. Im jahrgangs- und fächerübergreifenden Werkstattunterricht lernen die Schüler in Stammgruppen über mehrere Wochen alles etwa „Rund ums Brot“, über „Technik“, „Weltall“ oder „Ferne Länder“. „Das Konzept wird ständig fortgeschrieben“, erklärt Lehrerin Antje Ruchhöft, die Deutsch und Geisteswissenschaften unterrichtet. Gerade kam POL, „Projektorientiertes Lernen“ hinzu, das „Wissenserwerb mit dem Dienst an der Gemeinschaft“ kombiniert, wie Antje Ruchhöft es nennt. Stundenweise Einsätze in Schulgarten, Hauswirtschaft oder Kindergarten gehören neben Mathe, Deutsch, Musik, Sport, Informatik oder Naturwissenschaften zum Lernprogramm der größeren Werkstattschüler. 13 altersgemischte Stammgruppen zählt Antje Ruchhöft für die Klassenstufen 5/6 und 7/8; ab Klasse 9 bis zum Abitur wird „jahrgangshomogen“ unterrichtet. Neun weitere Stammgruppen, in denen Schüler der Klassen 1 bis 4 zeitweise zusammen lernen, gibt es im Grundschulbereich, überschlägt sie. Allen zusammen stehen Mensa, Bibliothek und Sporthalle offen. Der Hort öffnet ab 6.30, er schließt um 17.30 Uhr.
7,5 Millionen Euro investierte die Europäische Stiftung für innovative Bildung als Schulträger in den dreiflügeligen Neubau, der mit eigener Photovoltaikanlage den Großteil seines Stromverbrauchs selbst abdeckt. Die ersten etwa 70 Schüler der Einrichtung waren 1998/99 in der Augustenstraße unterrichtet worden. Ein Jahr zuvor hatte ein siebenköpfiger Elternverein die „Freie Schule“ aus der Taufe gehoben, erinnert Geschäftsführer Rainer Pahl.
„Es ist ein gutes Gefühl“, in dem hellen, großzügigen, gut ausgestatteten Haus zu lernen, freuen sich Karl Borowski, Paula Kirstein und Maria Paap. Auch Schulanfängerin Theeske Staack , macht es „ganz viel Spaß“ hier zu lernen. „Ich weiß schon, wie man ,Wal' schreibt“, versichert sie, „und auch, dass sechs plus sechs zwölf ist!“
MARTINA PLOTHE